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Rezension: Afghanistan –Steve Mc Curry- Taschen

Die Bilder für diesen grandiosen Fotoband mit dem Titel "Afghanistan" hat Steve McCurry realisiert. Er gilt als der bildmächtigste Vertreter zeitgenössischer Fotografie.

William Dalrymple war für das Nachwort zuständig. Zu lesen ist es in englischer, deutscher und französischer Sprache.

Hier erfährt man allgemein Wissenswertes zu Afghanistan, wo sich seit alters her alles gegen eine Staatenbildung verschworen hat. Genannt werden als Gründe: die Geographie, die Topographie und die gebirgige Landschaft des Hindukusch. Hinzu kommen die verschiedenen Stämme und die ethnischen und sprachlichen Gräben. Sie spalten die afghanische Gesellschaft. Blutrache unter den Clans und Stämmen scheint an der Tagesordnung zu sein. Das Ergebnis ist, die Fotos zeigen es, niederschmetternd.

Aufgrund der Kälte im Winter erscheinen die Gesichter der Afghanen ausdruckslos. Aufgeschreckt liest man, dass 80% der Bewohner des Landes Analphabeten sind. Das macht die Menschen dort allerdings nicht weniger selbstbewusst, wie die Bilder offenbaren.

Man erfährt im Nachwort u.a. Wissenswertes über die Mentalität der Menschen in diesem uns fremd erscheinenden Land, die ihre Freiheit lieben und zuverlässig zu ihren Freunden, dabei zudem sehr gastfreundlich sein sollen.

Steve Mc Curry reist seit über dreißig Jahren durch Afghanistan und scheute nie vor dem Grauen und der Tragödie der modernen Kriege in der Region zurück. Seine Bilder sind deshalb teilweise schonungslos und schockierend, gleichwohl bezeugen sie seine Liebe zu diesem rauen Land.

Der Fotoband übermittelt nicht zuletzt ein grandioses Panorama des Landes, zeigt bewaffnete Männer, karge Landschaften, liebenswerte Menschen, die mit Wenigem auskommen, befremdlich erscheinende Gebäude und restlos zerstörte Orte, in denen Menschen unter schwierigsten Verhältnissen leben müssen, zeigt weiter Soldaten im Einsatz, schon kleine Kinder mit Waffen, Brutalität und Angst inmitten verwüsteter Orte, Kriegsinvaliden, unglaublich zerstörte Städte, Feuer und Schutt, Blut, doch irgendwann auch lesende Knaben und ein Mädchen, das ein Buch schützend im Arm hält, selten ein Lachen, oft Einäugige, und plötzlich auf einer Doppelseite einen märchenhaften Palast mit unzähligen Friedenstauben davor. Ein Hoffnungsschimmer.

Frauen, die eine Burka tragen, gehören zum Straßenbild und auch Mädchen, die geschickt Bälle jonglieren, nicht zuletzt, weil sie ihr Gesicht noch öffentlich zeigen und ihre Augen noch der raschen Bewegung der Bälle folgen dürfen.

Steve McCurry hat u.a. eine Frau mit einer gelben Burka aufgenommen. Das Gewand ist sehr kostbar - aufwendige Stickereien und komplizierte Falten, die den Umhang fächerartig gestalten - machen neugierig. Wenn man nicht wüsste, dass Frauen in Afghanistan gezwungen werden, eine solches Kleidungsstück zu tragen, könnte man  die Burka als ästhetisch schön bezeichnen. So allerdings spürt man bloße Verärgerung. Einen solchen Spagat will man nicht machen. Es wäre Verrat.

Männer und Frauen leben in diesem Land, die Bilder verdeutlichen es, in unterschiedlichen Gesellschaften. Für Menschen, die eine virile Zeit heraufbeschwören wollen, ist dieses Buch vielleicht eine letzte Mahnung. Tod und Verwüstung, Unterdrückung von Frauen und Kinder, die das Lachen verlernt haben, sind das Ergebnis, wenn man Männer archaisch viril ihre Machtbestrebungen ausleben lässt. Das ist die Botschaft dieses Buches.

Ein beeindruckendes Buch mit grandiosen Aufnahmen. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich
Onlinebestellung: TASCHEN oder Amazon: Steve McCurry. Afghanistan (Fo)

Rezension: Helmut Newton-Taschen

Dieser Prachtband mit Werken des legendären Fotografen Helmut Newton (1920-2004) ist eine neue Ausgabe des berühmten Fotobuchs "SUMO", das ein Jahrzehnt nach seiner Erstveröffentlichung, von June Newton überarbeitet in einem Format herausgegeben wurde, das es nicht zuletzt auch preislich ermöglicht hat, es einem breiteren Publikum zu offerieren. 

"SUMO" gilt mit seinen 34,5 Kilogramm als das größte, gewichtigste und teuerste Buch des 20. Jahrhunderts und erschien in einer limitierten Auflage von 10 000 signierten und nummerierten Exemplaren. Diese waren bald nach der Veröffentlichung ausverkauft und vervielfachten sich im Wert. Das SUMO-Exemplar Nummer eins, handsigniert von über 100 im Buch abgebildeten berühmten Persönlichkeiten wurde bei einer Auktion in Berlin für damals 620 000 DM versteigert. 

Das hier vorliegende Werk ist in einer gut verschließbaren Box enthalten und zwar gemeinsam mit einem Heft, dass das Vorwort der SUMO-Originalausgabe von Helmut Newton aus dem Jahre 1999 enthält, abgedruckt in englischer, deutscher und französischer Sprache und zudem Nachbetrachtungen von June Newton (zehn Jahre danach) wie auch eine Nachbetrachtung von Philippe Garner, ebenfalls dreisprachig abgedruckt. 

Zudem wird in der Box ein eigens für das Buch entworfener Display-Buchständer mitgeliefert. 

Mit großem Vergnügen bin ich in die Bilderwelt Newtons erneut eingetaucht, die ich im Jahre 2000 erstmals bei einem Bekannten in der SUMO-Originalausgabe bewunderte und bin nun wirklich sehr angetan, von der neuen handlicheren Ausgabe. 

Werke von Newton aus unterschiedlichen Jahrzehnten warten auf den Betrachter. Wie Newton in seinem Vorwort schreibt, hatte er schon früh begriffen, dass er im Studio nicht zu seiner besten Form fand, dass seine Fantasie die Realität draußen unter freiem Himmel benötigte. Schon früh war ihm bewusst, dass seine Models einen bestimmten Frauentyp verkörperten. Sein Anliegen war es, verrückte und sexuell aufgeladene Modefotografien zu realisieren. Dabei beschränkte er sich auf zwei Kameras, jede mit drei Objektiven, einen Blitz, den man auf die Kamera stecken konnte und einen Assistenten. 

Seine ersten Aktaufnahmen machte er nicht vor 1980. Modefotos in Schwarz-Weiß oder Farbe aus den 1960er Jahren lassen bereits erkennen, dass er eine  sehr individuelle Sicht auf seine Modelle hatte. Hocherotisch erweist sich jedes Foto als eine Männerfantasie, wie ich amüsiert aber nicht pikiert feststelle. 

Die Kleidung berühmter Modemacher wird zur interessanten Verpackung von Frauen mit ganz großer Ausstrahlung, die wenig selbstbewusste Männer bestimmt äußerst verunsichern. Tollen Fotos aus den 1970er Jahren, die u.a.  Modeaufnahmen für Yves Saint Laurent zeigen und hier bereits mit der Erotik lesbischer Frauen kokettieren, folgen dann erste Aktbilder von Frauen mit noch unrasierten Schamhaaren, die darin erinnern wie sehr sich das Körpergefühl in den letzten Jahrzehnten geändert hat.

Ein schönes Foto von Andy Warhol aus dem Jahre 1974 beeindruckt ebenso wie die folgenden Aktfotos. Irgendwann dann darf man eine sehr interessante Aufnahme von Catherine Deneuve bewundern. Sie war eine besondere Schönheit, ohne Frage. Newton lässt die Betrachter nicht im Ungewissen.

Karl Lagerfeld ist mehrfach zu sehen und man kann Newtons Sichtweise auf Schauspielerinnen wie Romy Schneider, Elisabeth Taylor oder Charlotte Rampling nachvollziehen. Ihm ging es  dabei eindeutig stets um Authentizität.

Dann gibt es da auch noch das Foto von Helmut Berger. Es stammt aus dem Jahre 1984 und wurde in Beverly Hills aufgenommen. Es handelt sich dabei um eine Aktaufnahme vor einem offenen Kamin. Helmut Berger blickt lässig, dabei aber nicht eitel in den Spiegel. Sein Körper, formvollendet, zeigt ihn als den schönsten Mann des vergangenen Jahrhunderts. 

Eine wunderschöne Porträtaufnahme von Marianne Faithfull aus dem Jahre 1999 lässt erkennen, dass Newton in die Seele seiner Modelle blicken konnte. Seine Aktaufnahmen- es sind sehr, sehr viele- zeigen, dass Helmut Newton ein Faible für Frauen hatte, die nicht androgyn, aber gewiss ein wenig dominant waren. 

Ein Foto von Claudia Schiffer mit Zöpfen im Dirndl ist gleich neben einer Aufnahme von Leni Riefenstahl positioniert. Ich erlaube mir beim Anblick der Doppelseite nichts zu denken und bewundere dann weiter die vielen Aktbilder, die nicht nur Ausdruck des Zeitgeistes sind, sondern auch etwas über die Vorlieben von Helmut Newton aussagen. 

Künstlerisch wertvoll ist jedes Bild. Keines der Werke wirkt bildbearbeitet, sondern stattdessen wahnsinnig authentisch. Fantastisch, nach langer Zeit endlich mal wieder attraktive Aktmodelle zu sehen, die nicht schönheitsoperiert sind!

Alle Fotos beinhalten ein Geheimnis, das es zu entschlüsseln gilt. Eine interessante Aufgabe.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Überall im Handel erhältlich

Rezension: Kandinsky- Prestel

Die Herausgeber dieses vortrefflichen Kunstbandes sind Helmut Friedel und Annegret Hoberg. Neben einer Vielzahl von Werken Wassily Kandinskys erwarten den Leser zunächst eine sehr gut geschriebene Einleitung, insgesamt 7 Essays unterschiedlicher Autoren, die das Werk des Künstlers erhellen, dessen Lebensstationen, das Verzeichnis der abgebildeten Werke, sowie eine ausgewählte Bibliografie und das Register. 

Im Rahmen der "Lebensstationen" werden zahlreiche Fotos aus seinem Leben gezeigt. 

Wassily Kandinsky wurde 1866 in Moskau in eine begüterte Familie hineingeboren. Sein Vater führte ein Teehandelsgeschäft. Seine Mutter stammte aus dem gehobenen Moskauer Bürgertum und seine Großmutter war Baltin. Kandinsky besuchte das humanistische Gymnasium in Odessa und studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Statistik  in Moskau und schloss 1893 sein Studium ab, um drei Jahre später in München Malerei zu studieren. Jetzt lebte er mit seiner Frau Anja im Künstlerviertel Schwabing. Zwei Jahre später nahm er erstmals an einer Ausstellung teil und wurde im Jahre 1900 in die Malklasse von Franz v. Stuck aufgenommen. Ein Jahr danach gründete er mit anderen Malern aus der Schwabinger Kunstszene die Ausstellungsvereinigung Phalanx und schon bald berichtete die renommierte Petersburger Zeitschrift über den Künstler. 

1903 dann besuchte Kandinsky die Frühjahrsausstellung der Wiener Secession und unternahm in den Folgejahren viele Reisen mit der Künstlerin Gabrielle Münter durch ganz Europa. Sie gründeten gemeinsam die Neue Künstlervereinigung München, malten und lebten immer wieder in Murnau, wo sie ein Haus kauften. Hier entwickelte er eine neue Malweise. Seine Landschaftsbilder aus jener Zeit werden fauvistisch genannt. Jetzt wurde sein Bildaufbau komplizierter. Die Leuchtkraft der Farben übertönte die Konstruktion der Gegenstände. 

Bereits in seinem Kunststudium hatte Kandinsky den engen Zusammenhang zwischen Musik und Farbe erkannt. Doch es soll an dieser Stelle nicht die gesamte Biografie wiedergegeben werden. Soviel nur: Es ist empfehlenswert die "Lebensspuren" (S. 263- 299) zuerst zu lesen, bevor man sich in die Bilderwelt vertieft. 

Spannend, seinen Weg zur Abstraktion mit zu verfolgen, und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Malerei im 20. Jahrhundert kennen zu lernen. Besonders interessant finde ich allerdings seine Beziehung zur zeitgenössischen Musik. Darüber schreibt Annegret Horberg in ihrem Essay "Ich sah alle meine Farben im Geiste". 

Hier liest man dann, dass es Kandinsky bei der Entdeckung der neuartigen Musik von Arnold Schönberg um die Entwicklung von Gesetzmäßigkeiten ging, die sich auf den Bau autonomer Bildgesetze übertragen ließen, um eine mehr oder weniger verbindliche Elementarlehre für die Malerei der Zukunft, die sich von jeder Abbildlichkeit freimache. Kandinsky ging es nicht darum, Musik zu malen oder in Farben auszudrücken, sondern, das sei abermals betont, darum zu zeigen, dass jede Kunst seine Gesetzmäßigkeit habe und dass das strukturelle Prinzip der Musik ein Vorbild der abstrakten Komposition einer Malerei der Zukunft aus selbstständigen Farben und Linien sei. 

Eine sehr schöne, reich bebilderte Monografie, die über alle Schaffensperioden Wassily Kandinskys aufklärt.

Sehr empfehlenswert

 Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich
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Rezension: CUBA- Elliott Erwitt- teNeues

In diesem grandiosen Bildband, werden Schwarz-Weiß-Aufnahmen gezeigt, die der renommierte Fotograf Elliott Erwitt realisiert hat. Der Fotokünstler wurde am 26.7.1928 in Paris geboren und verbrachte seine Kindheit in Mailand. 1938 ging er mit seiner Familie nach Paris zurück und emigrierte ein Jahr später nach New York.

Bereits als Teenager erwachte sein Interesse für Fotografie. Damals lebte er in Hollywood. 10 Jahre später dann wohnte er erneut in New York und reiste von dort aus nach Frankreich und Italien. Seit 1953 arbeitet er bei Magnum Photos und ist seitdem angesehenes Mitglied der Agentur, in der er mehrmals als ihr Präsident fungierte. Neben seiner Arbeit als Fotograf hat Erwitt auch Filme gedreht und mehrere Bücher veröffentlicht.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der Fotograf in New York, allerdings ist er nahezu ununterbrochen auf Reisen. So verbrachte er 1964 eine Woche auf Kuba. Dort war er Gast von Fidel Castro. Im Auftrag von "Newsweek" lichtete er ihn und Che Guevara ab.  So erlebt man eingangs  dann auch den noch jungen Fidel Castro und gewinnt den Eindruck, dass das kubanische Volk ihn tatsächlich geliebt haben musste, wie deren Blicke bekunden. Der Pop-Star von beiden war eindeutig jedoch Che Guevara, ein Mann mit außerordentlichem Charisma.

Man sieht  junge Kubaner aus jener Zeit, die voller Hoffnung sind und anschließend 2015-2016 häufig gealterte Menschen, die zumeist desillusioniert erscheinen und gewinnt den Eindruck, dass es die Leute von damals waren.

Die Tänzer und Fussballspieler, die gezeigt werden, wirken gut gelaunt, aber dennoch irgendwie fahl. Künstler und Kunsthandwerker sind in ihr kreatives Schaffen versunken und scheinen die Morbidität um sie herum, auf diese Weise vergessen zu haben.

Selbst das Strandleben wirkt nicht wirklich heiter und die Häuser sind in einem abgründig desolaten Zustand. 

Die Zeit hat zynisch ihr Werk vollbracht und sich gegen die Revolution entschieden. Kuba schreit nach Farbe, Sanierung und nach Veränderung. Das ist für mich die Botschaft dieses beeindruckenden Buches, das ein Protokoll eines offenbar gescheiterten Versuchs ist.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Onlinebestellung teNeues oder Amazon: Cuba

Rezension: Egon Schiele- Sämtliche Gemälde- 1909-1918- Taschen

Dieser reich bebilderte Prachtband mit dem Titel "Egon Schiele- Sämtliche Gemälde- 1909-1918" ist seitens des Tobias G. Natter herausgegeben worden. Er war u.a. an der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien als Chefkurator tätig und arbeitete zudem als Gastkurator an der Tate Liverpool, der neuen Galerie New York, der Hamburger Kunsthalle, der Schirn in Frankfurt am Main und am Jüdischen Museum in Wien. Bevor er 2014 das Unternehmen "Natter Fine Arts" gründete, das sich auf die Schätzung von Kunstwerken und die Entwicklung von Ausstellungen spezialisiert hat, war er u.a. Direkter des Wiener Leopoldmuseums. 

Das Buch enthält neben hervorragenden Abbildungen von Werken Egon Schieles sechs Essays unterschiedlicher Autoren, die dem Leser dazu verhelfen, die Werke des Künstlers besser zu verstehen, des Weiteren seinen Lebenslauf und den umfangreichen, sehr gut erläuterten Katalog der Gemälde. 

Der Lebenslauf, den Tobias G. Natter verfasst hat, beginnt mit einem Zitat Egon Schieles, das dieser auf seinem Totenbett am 31.10. 1918 formuliert hat: "Nach meinem Tode, früher oder später, werden mich die Leute gewiss lobpreisen und meine Kunst bewundern." Schiele musste kein Hellseher  sein, um diesen Satz zu formulieren.

Egon Schiele (1890-1918) war ein österreichischer Maler und Zeichner, der ab 1908 die Wiener Akademie der bildenden Künste besuchte, sie jedoch drei Jahre später wieder verließ. Die 28 Lebensjahre Schieles werden chronologisch aufgeschlüsselt und sehr gut beschrieben, so beispielsweise auch das Jahr 1910. Damals nahm die "Marke Schiele" ihren Anfang. Über diese kann man sich anhand der Werke im Buch ausgiebig informieren. Egon Schiele verstarb übrigens an der Spanischen Grippe im Alter von gerade einmal 28 Jahren. 

Man staunt über das umfangreiche Schaffen in seinen knapp bemessenen Lebensdauer. 350 Ölgemälde und 3000 Zeichnungen und Aquarelle hat Egon Schiele der Nachwelt hinterlassen. Unglaublich.

Im vorliegenden Buch werden 221 Gemälde aus dem letzten Lebensjahrzehnt Schieles gezeigt. In dem 612 Seiten umfassenden Werk gibt es allerdings 578 Abbildungen. Neben den bereits erwähnten Essays hat man Gelegenheit Auszüge aus Schriften und Gedichten zu lesen, die im Kontext zum europäischen Expressionismus stehen. 

Es führt zu weit, die einzelnen Essays verkürzt hier wiederzugeben oder gar all die wunderbaren Bilder beschreiben zu wollen. Es sind teilweise großformatige Bilder, die im Katalogteil alle ausführlich und dabei sehr gut beschrieben werden. 

Nachstehende Essays thematisieren einzelne Schaffensperioden: 

Wunderkind und Rebell- Der frühe Schiele- Christian Bauer 

Die Ästhetik der Verwandlung: Schieles Durchbruch 1910 und 1911- Helena Perena 

Egon Schieles Passion: Geistigkeit und Sexualität 1912-1915, Gemma Blackshaw 

Egon Schiele 1914-1918- Die Kriegsjahre, Jill Loyd 

Des Weiteren erfährt man in einem Essay von Diethard Leopold mehr zu dem Thema  "Das Selbst als Programm"  und von Ursula Storch   schließlich  liest man Wissenswertes zu Text und Sprache bei Egon Schiele. 

Diese Fülle an höchst unterschiedlichen Motiven, Farben, Formen ist bewundernswert. Bewundernswert aber auch sind seine Gedichte. 

Das  Werk  "Egon Schiele- Sämtliche Gemälde- 1909-1918" ist nicht nur informativ, sondern sehr edel und hochwertig. Verpackt in einer gut verschließbaren Box, kann man es als Familienschatz aufbewahren und sich immer wieder daran erfreuen.

Absolut empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Henry Moore- Vision. Creation. Obsession.- Hirmer

Henry Moore (1898-1986) war ein englischer Bildhauer und Zeichner. Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen dessen Monumentalskulpturen, die in der Architektur Richard Meiers für das Arp Museum Bahnhof Rolandseck erstmals auch im Innenraum vorgestellt werden. 

Auf drei Ausstellungsetagen und des Weiteren mit drei Monumentalplastiken im Außenraum des Museums wird bis zum 7. Juni 2018 das facettenreiche und weltweit prägende Schaffen des britischen Ausnahmekünstlers vorgestellt. 

Im Wechselspiel mit Gemälden und Skulpturen der Sammlung Rau für UNICEF hat der Betrachter die Möglichkeit Moores Interesse an der Kunst des Mittelalters und der Renaissance wie auch seine Begeisterung für die Malerei des 19. Jahrhunderts kennen zu lernen. 

Über Dr. Dr. Gustav Rau wird man zu Ende des Kunstbandes aufgeklärt, der sich in seinem bewundernswerten Leben für Kinder und für die Kunst engagiert hat. Im Rahmen von fünf Essays kann man sich  alsdann näher mit Henry Moore und dem Künstler Hans Arp befassen. Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Künstler beleuchtet, die ihre Werke schon 1936 gemeinsam präsentierten. 

Bei "Lagre Two Forms" handelt es sich um das wohl berühmteste Kunstwerk Henry Moores in Deutschland. Diese Bronzeplastik steht seit 1979 vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt in Bonn. Das Werk besteht aus zwei monumentalen Teilen, die im konkav- konvexen Spannungsspiel aufeinander bezogen sind. Über dieses Werk aber auch über das Monumentale generell bei Henry Moore erfährt man Wissenswertes und hat Gelegenheit, sich mit seinen faszinierenden Werken anhand von Bildern ausgiebig zu befassen. 

Für Moore liegt die wirkliche Größe eines großen Künstlers in seiner Menschlichkeit. Zudem gehört für ihn die Beobachtung der Natur zum Leben eines Künstlers, weil diese sein Formwissen erweitere. Moore hat, wie er sagt, bei seinen Studien von Naturgebilden wie Kieselsteinen, Felsen, Knochen und Bäumen die Form- und Rhythmusprinzipien gefunden. 

Die imposanten Werksdarstellungen im Buch machen Lust darauf, die Ausstellung zu besuchen, um die Plastiken im Original zu bestaunen und eventuell auch die Materialien zu berühren. 

Die sinnliche Wahrnehmung von Kunst gehört zum Menschsein dazu, hat uns alle vielleicht zu dem gemacht, was wir sind.. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich

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Rezension: Gustav Klimt- Streitfall und Aktualität- Tobias G. Natter (Hg.)- Taschen

Es ist nicht das erste Kunstbuch mit Werken von Gustav Klimt, das ich rezensiere, wohl aber das mit Abstand facettenreichste. Der Prachtband enthält neben dem Katalog der Gemälde und der Biografie des Künstlers insgesamt sechs erhellende Essays unterschiedlicher Autoren. 

Bei diesen Essays handelt es sich um: 

Der Salonmaler: Frühe Werke- frühe Karriere 
(Rainhold Franz/Angelika Pötschner) 

"Heiliger Frühling" und Zeitwende: Die Wiener Secession
 (Christoph Grünenberg) 

Der Stocletfries: Ein künstlicher Garten im Herzen des Hauses 
(Anette Freytag) 

Frauendarstellungen 
(Susanna Partsch)

Die Landschaften: Eine re- konstruierte Natur 
(Evelyn Benesch) 

Klimts zeichnerisches Universum- Grundhaltungen und Seelenstimmungen 
(Marian Bisanz- Prokken) 

Zunächst lernt man den Werdegang des Künstlers kennen, der als junger Mann sehr rasch Karriere macht und als der legitime Nachfolger von Hans Makart gilt. Man erfährt mehr darüber wie der Salonmaler zum Staatskünstler wird und prestigeträchtige Großaufträge, so etwa für Deckengemälde oder Wanddekorationen erhält. Auf dem Höhepunkt seiner ersten Karriere gerät Klimt in den 1890er Jahren in eine künstlerische Krise. Nun erlahmt sein künstlerischer Output, doch jetzt auch erfindet sich Klimt neu. 

Mit der Gründung der Wiener Secession macht er sich 1997 als Bannerträger der Moderne einen Namen. Spannend zu lesen sind die Informationen zu Klimts "Beethovenfries" und zu seinem goldenen "Kuss". Seine Frauenbilder und Landschaftsmalereien sind weitere Merkmale seines immerwährenden Wandels. 

Insgesamt lernt man im Rahmen der Essays mehr über die Denk- und Arbeitsweise des Künstlers kennen. Seine Kunst soll die kunstinteressierte Welt polarisiert und entzweit haben. Er galt als umstrittener Künstlerstar. Dabei erregten seine Werke die Gemüter, weil er für die Moderne stand und zugleich auch die Tradition verkörperte. 

Den einzelnen Essays sind  traumhaft schöne  Werksablichtungen und Fotos beigegeben, die zum fortwährenden Staunen motivieren. Klimts Frauendarstellungen zeigen viel Zeitgeist, speziell in der Mode und beeindrucken ihrer Farben und Formen wegen.  

Zahlreiche Landschaftsmalereien lassen den Blick lange innehalten. Das gilt besonders für Gemälde wie der "Morgen am Teiche" und "Der Sumpf". Bemerkenswert auch sind seine Zeichnungen, die sich mit der körperlichen Liebe von Mann und Frau befassen und seine intimen Konstellationen. Im Katalog der Gemälde werden seine Werke sehr ausführlich erläutert. Hier auch hat man Gelegenheit, sich  gedanklich noch intensiver mit dem "Beethovenfries" zu befassen und kann auch in Erfahrung bringen, was es mit seiner "Judith I.". auf sich hat. 

Wer das Schöne liebt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand geben, denn es dient diesbezüglich als Quell unendlicher Bereicherung. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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Rezension: documenta 14- Daybook- Athen 8. April- Kassel, 17. September 2017, Prestel

Nachdem ich gestern auf "Buch, Kultur und Lifestyle" den "documenta 14 Reader" rezensiert habe, möchte ich mich heute mit dem Daybook der Dokumenta 14 befassen. Dieses Daybook ist nicht nur ein Ausstellungsführer, indem alle Künstler (m/w) enthalten sind, die zur Teilnahme an der Ausstellung in Kassel und Athen eingeladen wurden, sondern man hat Gelegenheit, eine polyphone Anthologie aus Texten zu lesen, die sich der Künstler widmen. 

Die Autoren (m/w) der Texte stammen wie die Künstler aus aller Welt und sind Dichter (m/w), Kuratoren (m/w), Kritiker (m/w), Historiker (m/w), und Künstlerkollegen (m/w). Jedem Tag der Ausstellung ist ein Künstler zugeordnet. Die Ausstellung dauert genau 163 Tage und entsprechend viele Künstler kann man kennenlernen.

Jeder Künstlereintrag ist zudem mit einem zweiten Datum verbunden, das für jeden einzelnen Künstler von besonderer Bedeutung ist. Aus diesen individuellen Beiträgen ist eine diskontinuierliche, historische, persönliche und spekulative Chronologie entstanden. 

Bilder von Werken der Künstler vermitteln einen Eindruck davon, was man auf der Ausstellung erwarten kann.

Am 17. Juni wird die  Argentinierin Mara Miujin vorgestellt. Ihr persönliches Datum ist der 23.12.1983. Damals sprach sie in Buenos Aires zu ihrem Werk "El Partenon de libros".

Sie sagte: Für mich ist es ein großes Vergnügen und ein Wunder, diesen Parthenon aus verbotenen Büchern zu errichten- hier im Zentrum der Stadt Buenos Aires im Jahr 1983- , da sich das Land verändert hat. Ich hoffe wir finden zurück zum Informellen und zur Freiheit, sodass wir wieder wir selbst sein können ohne Verbote."

Die 12 m hohe Installation aus dem Jahre 1983 aus Metallgerüst, Bücher und Draht ist abgebildet, aber auch die Installation "Carlos Gardell de fuego" aus dem Jahre 1981. Mara Miujin bringt Symbole in die Schieflage und schenkt ihnen dadurch nicht nur eine neue Bedeutung, sondern auch Sinnlichkeit. 

Alle Künstler der Ausstellung wollen Sinn stiften durch ihre Werke. Nachdenken über das, was ist, schafft Kunst aber auch Veränderung, vielleicht durch die eindringlichen Appelle der Künstler. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: documenta 14 READER- Prestel

Derzeit findet in Kassel die documenta 14 statt. Der vorliegende Reader analysiert anhand von Essays, Allegorien, Gedichten, historischen Dokumenten wie auch anderen hybriden literarischen Formen die diskursiven Anliegen der Ausstellung. 

Dabei geht es um Formen der Dekolonialität und Widerstand, Schuld und Geschenk, Entortung und Enteignung, Sprache und Gewalt, aber auch Indigenität und Exil. 

So fragt Quinn Latimer beispielsweise "Welche Farbe hat der Hunger? Welche Farbe hat Papier? Wie stellt man Hungersnöte, Katastrophen, Widerstand, Heimat und Nahrung dar?" Die anschließenden Bilderwelten verdeutlichen es dann unmissverständlich. Man ist tief berührt beim Anblick eines leichenfressenden Hundes während einer Hungersnot in Indien und anderer Realitätsdarstellungen mehr und weiß, dass solche Bilder notwendig sind, um aufzurütteln.

Die Bildstrecken im Buch illustrieren- zeitlich und auch geographisch den umfangreichen Raum, der durch die historischen Positionen der documenta 14 festgelegt wurde. Gezeigt wird u.a. "Die Verschmelzung von Geld und Elend" und  man stößt wenig später auf einen Text von Gustave Flaubert mit dem Titel "Die Versuchung des heiligen Antonius". Dem nicht genug erfährt man alsdann, was es überhaupt heißt zu lesen, selbst in Objekten und erfährt mehr über die neue Kunst des Büchermachens.  Hier liest man, dass ein Buch eine Folge von Räumen sei, aber auch eine Folge bestimmter Momente. 

Der Text von Ulises Carrion ist beeindruckend. Hier einer der klugen Sätze: "ein buch machen bedeutet, seine ideale raum-zeit-folge durch die schaffung einer synchronen zeichenfolge, seien es verbale oder andere Zeichen zu verwirklichen." Und an anderer Stelle weiter: "in der neuen kunst ist es oftmals nicht notwendig, das gesamte Buch zu lesen. das lesen mag in dem moment aufhören, wenn man die gesamte struktur des buches verstanden hat."

... solch ein Satz ist niederschmetternd für Autoren, die sich episch breit in ihren Texten auslassen. Aber er sollte zu denken geben...

Inmitten des Lesens und Staunens dann entdeckt man ein Gedicht von Hiva Panhahi: 

Ein Mensch aus Asche 

Die Träume kommen von fernen Orten 
Der Stein, die Vögel und ich nehmen eine neue Lebensform an 
Die Träume haben ihren eignen Weg 
Und jetzt leben wir ferne Träume. 

Wenn wir diese fernen Träume leben,  ist es selbstverständlich, die Gastfreundschaft zu kultivieren. 

"Das Gesetz der Gastfreundschaft fordert dem Ankömmling bedingungslose Aufnahme zu gewähren."  Eine Botschaft aus Kassel, die eindeutiger nicht sein kann. 

Künstler waren schon immer weltoffener als alle anderen, aber sie sind es auch, die den Zeitgeist bestimmen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Lucas Cranach der Ältere- Meister Marke Moderne- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Lucas Cranach der Ältere- Meister Marke Moderne", die noch bis zum 30.7.2017 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf gezeigt wird. 

Lucas Cranach der Ältere wurde 1472 in Kronach geboren. Als Künstler ist er erstmals in Wien aufgefallen. Hier lebte er seit 1502. Damals war Wien das politische und kulturelle Zentrum des Reichs. Speziell der Impulse Kaiser Maximilian I. für die Wissenschaften und Künste kamen auswärtige Künstler und Intellektuelle in die Stadt. Cranach hatte Kontakt zu den Humanisten der Wiener Universität. Die Einblicke, die er dadurch in das humanistische Denken gewann, haben sich in seinen Werken niedergeschlagen. Seine Kunst wurde sehr bald zu einem maßgeblichen Impulsgeber für die expressive Malerei. Grafik und Skulptur, die die ältere Geschichte mit "Donaustil" umschrieb. 

1504/05 verlässt Cranach Wien und geht nach Wittenberg. Hier wird er Hofmaler Friedrichs III, genannt der Weise. Er zählte damals zu den bedeutendsten Kunstförderern im deutschsprachigen Raum. Jetzt findet Cranach zu einem Malstil, der es ihm ermöglicht, den Ansprüchen des Hofes, aber auch jenen des"freien Marktes" gerecht zu werden. 

Cranach verfolgte einen produktiven Wettstreit mit anderen Künstlern sowohl in der Malerei als auch in der Druckgrafik.  Es waren die Werke von Lucas Cranach, in denen sich erstmals Martin Luthers Position zum Gebrauch der Bilder manifestierte und sich von der vormaligen Aufgabe löste, Gegenstand der Anbetung sein zu müssen. 

Die lutherische Reformation und mit ihr die Werke Cranachs ebneten den Weg für eine Kunst, die um ihrer selbst willen, losgelöst vom kultischen Zweck, zu agieren vermochte. Nicht wenige Künstler haben Lucas Cranach d.Ä.  adaptiert. Sie interpretierten dessen Bildsprache und Motive und gelangten so zu kongenialen Lösungen. Das wird im Buch anhand von vielen Kunstabbildungen sehr gut verdeutlicht.

Der Katalog enthält zehn  umfangreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die sich mit Lucas Cranach dem Älteren und seinem Werk befassen. So liest man Wissenswertes über seine Aktmalerei und erfährt, dass Cranach Dürers diesbezügliche Bildfindung studierte, erkannte und schließlich übertraf. 

Luther und Cranach als Vermittler des neuen Glaubens werden von Daniel Görres thematisiert. Hier liest man mehr zum Bildbegriff und Bildgebrauch von Luther und zu einigen Bildthemen der Reformation. Natürlich kommen auch die Farbholzschnitte des Künstlers zur Sprache und sein Können als Zeichner. Nicht zuletzt wird man über die Cranach-Forschung im digitalen Zeitalter unterrichtet. 

Im Katalog der ausgestellten Werke hat man die Chance, sich in die grandiose Bilderwelt zu vertiefen und über jedes Werk sehr gut textlich unterrichtet zu werden. 

Wer die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, sollte dies tun. Allein, was man in diesem Buch bewundern kann, ist mehr als atemberaubend. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: NUBA & LATUKA , George Rodger, Prestel

Dieser traumhaft schöne Bildband ist eine Publikation zur Feier des 70. Gründungsjubiläums der renommierten Fotoagentur Magnum. George Rodger, Mitbegründer von Magnum Fotos war von 1939- 1945 als Kriegsfotograf für das LIFE Magazin tätig. Nach dem Krieg reiste er nach Afrika und durfte 1949 als erster Ausländer die Nuba besuchen und deren Leben sowie Riten fotografieren.

Der legendäre Fotoband "Le Village de Noubas" wurde 1955 als Reisetagebuch mit Texten und Abbildungen in Schwarz-Weiß veröffentlicht. Im vorliegenden Buch sind die Farbaufnahmen zu dieser Reise erstmals enthalten. Es handelt sich dabei um fotografische Juwelen von mehr als 40 Fotos, realisiert auf legendären Kodachrome-Filmen. 

Neben den Bildern enthält das Buch zwei Essays in englischer Sprache der beiden Fotografen Aaron Schumann und Chris Steele- Perkins. Die Titel der sehr informativen Essays lauten "The Sudan in Coulour" von Chris Steele –Perkins und "The Colour Photographs by George Rodger". 

Im Anschluss an die Bilder wird kurz erläutert, was auf den Fotos zu sehen ist. Gezeigt wird beispielsweise ein Stammesdorf, nackte Krieger mit merkwürdig ausschauenden, federgeschmückten Helmen, auch schöne Frauen, mit nackten Oberkörpern und sehr feinem Halsschmuck. Man lernt die weiblichen Nubas u.a. bei der Feldarbeit kennen. Hier tragen sie Wassergefäße auf dem Kopf, um damit Pflanzen zu bewässern. 

Die Männer des Stammes kämpfen immer wieder miteinander, während die Frauen sich auffallend friedlich verhalten. Verwundert ist man, dass diese Männer ihre Genitalien beim Kampf nicht schützen. Offenbar ist die Größe der Genitalien eine Art Statussymbol, das sie einander zeigen.

Insgesamt wirken die Frauen weitaus weniger archaisch. Ihre Scham ist bedeckt, der Körper edel geschmückt. Ihre Haltung dokumentiert Gelassenheit. 

Hauptsächlich, das soll hier betont werden, erlebt man nackte Männer, die miteinander ringen, umgeben von anderen männlichen Nubas, die diesem archaischen Spektakel zuschauen oder nackte Männer tanzen. Dabei allerdings sind Frauen nicht zu sehen.

Die Bilder sind nicht nur vom dokumentarischen, sondern auch künstlerischen  Aspekt her eine ganz große Besonderheit und in ihrer Tiefe kaum beschreibbar.

Vor allem sind die Aufnahmen überaus faszinierend und lassen erahnen, wie sich  die Menschheit in archaischen Zeiten verhalten hat. Aus heutiger Sicht, war es eindeutig ein Privileg, als Frau geboren zu sein. 

Sehr empfehlenswert.

Helga König 

Dieser Bildband ist überall im Handel erhältlich 

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Rezension: Die Kunst der Landschaft- Museum Barberini Potsdam- Prestel

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Impressionismus- Die Kunst der Landschaft", die noch bis zum 28. Mai 2017  im Museum Barberini in Potsdam gezeigt wird. 

Im Impressionismus entstanden zum ersten Mal große, durchkomponierte Gemälde unter freiem Himmel. Die Künstler des Impressionismus haben sich allerdings nicht als reine Landschaftsmaler begriffen, denn sie verbanden Freilicht- und Figurenmalerei. Gemeinsam war den Künstlern, die von 1874- 1886 ausstellten, das Bekenntnis zur Modernität. 

Die Ausstellung "Impressionismus. Die Kunst der Landschaft" dokumentiert erstmals, welche Themen der Freilichtmalerei die Impressionisten für sich beanspruchten und in die Moderne fortschrieben. Anhand von sehr eloquenten Essays unterschiedlicher Autoren kann man sich in die Ausstellung gut einarbeiten.  So befasst sich Ortrud Westheider beispielsweise mit der Frage, welche Rolle die Landschaft für das Selbstverständnis der impressionistischen Maler spielte und weshalb die Gattung so spät im 19. Jahrhundert eine derartige revolutionäre Sprengkraft entfalten konnte.

Man wird über ein neues Verständnis von Stimmung  sehr gut informiert, erfährt Wissenswertes im Hinblick auf die Abgrenzung zur europäischen Romantik und zur Freilichtmalerei in Frankreich und liest auch  Aufschlussreiches von der neuen Auseinandersetzung um Linie und Farbe. 

Farbe wurde als Analogie der Natur verstanden und eingesetzt, um ihrer Materialität und Temperatur nachzuspüren. Dabei sollte der Natureindruck nachvollziehbar und überzeugend sein, gleichwohl nicht davon ablenken, dass es sich um Malerei handelt. Auf diese Weise etablierte sich mit der impressionistischen Landschaft eine Naturwiedergabe, die eine Landschaftmalerei, sondern vielmehr eine Kunst der Landschaft war. 

Neben den 7 Essays im Vorfeld warten auf den Leser im daran anschließenden Katalogteil weitere 8 Textbeiträge unterschiedlicher Autoren darauf, dass er  durch sie die Werke der Ausstellung visuell und auch inhaltlich  besser erfasst.

Der Reigen der Bilder beginnt mit Werken von Eugène Boudin und Werken von Claude und Édouard Monet. Es handelt sich dabei um Impressionen von Küstenlandschaften, denen Impressionen von Wald und Lichtung folgen. Maler wie Pierre-August Renoir und Alfred Sisley begeistern hier durch ihre Bilder. Es folgen Reflexionen und Spiegelungen, Eindrücke an und auf Flüssen, dann solche von Pappeln und Feldern und schließlich traumhafte Gartenimpressionen, speziell von Claude Monet, dessen Seerosenbilder beim Betrachten voller Poesie  ganz besonders berühren. Winterlandschaften und der Süden runden den Reigen ab. 

Ein sehr gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Helga König 

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Rezension: Die Poesie der venezianischen Malerei- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 24. Februar 2017 bis zum 21. Mai 2017 in der Hamburger Kunsthalle gezeigt wird. Neben dem Katalogteil enthält das Buch eine große Anzahl von Essays unterschiedlicher Autoren, die diese Ausstellung erhellen. 

Poesie, Sinnlichkeit, Farbe, Licht und Innovation charakterisierten die Blütezeit der venezianischen Malerei zwischen 1510 und 1560. Damals zählte neben Tizian dessen Schüler und Rivale Paris Bordone (1500-  1576) zu den führenden Künstlern Venedigs. 

Das vorliegende Buch würdigt speziell Bordones facettenreiches Schaffen im Kontext bedeutender Künstler wie etwa Palma il Veccio, Lorenzo Lotto und Tizian. 

Sandra Pisot beschreibt zunächst in ihrem Essay die Beziehung von Bordone und Tizian, die sich durch Rivalität und Inspiration auszeichnete. Man erhält Einblicke in Tizians Werkstatt. Dort begann Bordone 1514 seine Fertigkeiten in der Malerei zu perfektionieren. Schon nach kurzer Zeit verließ er die Werkstatt im Streit, allerdings blieb das ambivalente Verhältnis der beiden Künstler bestehen. So liest man auch vom Wettstreit um Arbeitgeber und anderem mehr. 

Zur Sprache gebracht werden auch mythologische und allegorische Szenen Bordones im Kontext seiner Zeitgenossen und die idealisierte Weiblichkeit in idealisierter Natur. Bordone legte sein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der Lichtsituation. Die Herausforderung bestand darin, den Akt vom Hintergrund optisch abzugrenzen. Licht und Farbe sind keine einzelnen, technischen Entitäten, sondern sie verschmelzen in der idealisierten Darstellung von Frauenakt und Natur zu einem harmonischen Gesamteindruck. 

Über die gemalten Frauen liest man Wissenswertes, auch im Hinblick auf Wahrheit und Erotik. Das Motiv des Spiegelns ist ein Thema. Der Spiegel erscheint als Bild im Bild und macht das Sehen auf diese Weise bewusst. Auch noch wichtig zu wissen: Das intensive Leuchten der Augen der jungen Frauen in Bordones Malerei,    neben dem inszenierten Betrachten machen deutlich, dass es sich über die weibliche Schönheit hinaus um ein Bild des Sehens von Malerei handelt. Für Bordone entsprach die Sinnlichkeit der jungen Frauen dem Genuss der Malerei. 

Über das Männerporträt zwischen Macht und Eros bleibt man auch nicht unaufgeklärt und kann sich zudem über die Wechselwirkung von süddeutscher und venezianischer Kunst kundig machen. Über die Holzschnitte in der Zeit Tizians  erfährt man  ebenfalls Näheres, um sich dann in den wunderbaren Katalog vertiefen zu können, der dem Leser die  derzeit in Hamburg ausgestellte Bilderwelt Paris Bordones näher bringt. 

Die Werke werden sehr gut erläutert. Man erhält zudem jeweils Eckdaten zu den Bildern. So lernt man u.a. liegende Akte von Bordone kennen, eine Vielzahl von Bildnissen schöner Frauen, unter ihnen die schöne Flora, ein Werk, das man im Louvre im Original besichtigen kann. 

Sehr beeindruckend sind die Bilder, die dem Kapitel "Die Wahrnehmung des Inneren" zugeordnet sind. Es handelt sich um Männerpoträts, die Einblicke in ihren Gemütszustand geben.

Kunsttechnologische und restautorische Einblicke in die Hamburger Werke Bordones finden sich zu Ende des Buches. Dort auch ist eine Zeittafel mit biografischen Daten des Künstlers und die umfangreiche Bibliografie eingebunden.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Riviera Cocktail- Côte d`Azur Jet Set of the 1950s-Edward Quinn- teNeues

In diesem Werk kann man Schwarzweißaufnahmen des Fotografen Edward Quinn bewundern. Den Fotos ist ein einleitender Text in englischer, deutscher, französischer, italienischer und spanischer Sprache vorangestellt, der sich mit den im Buch enthaltenen Bildern näher befasst. 

Auf den letzten Seiten dann erfährt man im Rahmen von Kurzbiografien etwas über Edward und Gret Quinn sowie über Heinz Bühler. Edward Quinn (1920-1997) hat seit den 1950er Jahren an der Côte d`Azur gelebt und gearbeitet. Damals hat er an der Côte viele Künstler, Stars, Manager und Adelige abgelichtet. Mit Picasso war er seit 1951 bis zum Tode des Malers im Jahre 1973 befreundet. 

Grete Quinn, die Witwe des Fotokünstlers hat gemeinsam mit dem Filmautor Heinz Bütler das vorliegende Werk herausgegeben. Dies ist in Zusammenarbeit mit dem Edward Quinn Archive geschehen. 

In der Einleitung liest man, dass kein Fotograf das gesellschaftliche und kulturelle Leben an der Côte d `Azur der Golden Fifties so umfassend, hellwach und mit feiner Ironie dokumentiert habe wie dieser Fotograf. Davon kann man sich im Buch sehr gut überzeugen. 

Quinn war auf Jagd nach "shots", die die Massenblätter einem Millionenpublikum verkauften. Das Bemerkenswerte an seinen "shots" ist, dass es im gelang, fotografisch produktive Augenblicksbeziehungen festzuhalten, die dem Betrachter den Eindruck vermitteln, hinter der Star- und Hollywoodfassade auch die Privatperson zu ahnen.

Die Beschäftigung mit Quinns Riviera-Chronik regt die Neugierde an, nicht zuletzt weil die Fotos aus den 1950er Jahren ein anderes Schönheitsideal als heute zeigen. Allein damit sich zu befassen, ist natürlich spannend. Dabei verkündet die junge Brigit Bardot einen Zeitgeist, der damals noch in der Ferne lag. 

Ein Meisterfoto von Aristoteles Onassis in Monte Carlo sagt viel über diesen Mann aus, aber auch ein Foto von Alfred Hitchcock ist sehr aussagekräftig und dokumentiert wie unterschiedlich diese beiden Persönlichkeiten waren, zwei Alpha-Männer wie sie verschiedener nicht sein können...

Tolle Aufnahmen von der Promenade in Cannes und Bandol in jenen Jahren werden präsentiert und zahlreiche Fotos von schönen Paaren. Nennen möchte ich Grace Kelly und David Niven, beide sind sehr distanziert und nicht von dieser Welt. Das macht das Geheimnis ihres Fotos aus. Der 1959 nicht mehr ganz junge aber höchst attraktive Cary Grant plaudert mit der bildschönen Kim Novak. Das ist dann Zeitgeist, der auch  nicht unerwähnt bleiben soll.

Beeindruckend  ist die Ausstrahlung von Onassis auch auf einem weiteren Foto, beeindruckend sind zudem die Bilder von der ausdrucksstarken Juliette Greco oder von Ella Fitzgerald. Die Fotos von Sophia Loren zeigen eine kalte Schönheit, deren Sex Appeal sich Frauen eher nicht erschließt. Ganz anders dann sind die Bilder von Audrey Hepburn deren warme Schönheit den Betrachter lange verweilen lässt. Sie aber auch Liz Taylor hatten das, was man als Jahrhundertausstrahlung bezeichnen kann. Schönheit ist eben mehr als Äußerlichkeit.

Sehr angetan ist man von einem Foto, dass 1961 in Cannes entstand,  anlässlich der Präsentation des Films "Good Bye Again". Antony Perkins und Yves Montand sind zu sehen. Doch wo ist Ingrid Bergmann? 

Bilder von Picasso fehlen nicht und fast zum Schluss gibt es dann doch noch eine Aufnahme von der nordischen Schönheit Bergmann. Ein Schnappschuss. Sie ist eindeutig die beeindruckendes Frau in diesem Buch, weil ihre Schönheit eine unendliche Seelentiefe und Reife erkennen lässt, die kaum beschreibbar ist. 

Ein tolles Buch, das den Charme der Côte d Azur einfängt, der alle Zeiten überdauert aber auch Berühmtheiten nicht vergessen lässt. Francoise Sagan hat den Zeitgeist mit bestimmt und gehört zu all jenen, von denen heute nur noch wenige am Leben sind. Legenden. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Otto Dix- The Evil Eye- Der böse Blick-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Otto Dix- Der böse Blick" , die vom 11.2. bis zum 14.5.2017 in Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 Grabbeplatz - Grabbeplatz 5 in 40213 Düsseldorf gezeigt wird. 

Die Werke von Otto Dix haben nicht nur in der Kunstgeschichte eine Bedeutung, sondern zudem für unser Verständnis der Sozial- und Zeitgeschichte. Der Maler soll über einen einzigartigen künstlerischen Blick verfügt haben, mit dem er Realismus und Kritik vereinte. Die Ausstellung vermittelt einen tiefen Eindruck in besagte Schaffensweise und legt ein besonderes Augenmerk auf die Düsseldorfer Jahre des Künstlers. 

Das Werk von Otto Dix ist ein Sinnbild für die Weimarer Zeit, denn der Künstler hielt die 1920er Jahre in Gemälden, Aquarellen und Grafiken fest. 

Die Ausstellung "Der böse Blick" beleuchtet die rasante Reifung von Otto Dix während seiner Düsseldorfer Jahre. Die Zeit zwischen 1922 bis 1925 in dieser Stadt war für Dix von großer Produktivität und zudem von einer ganzen Reihe herausragender künstlerischer Phasen geprägt. Von 1922 an besuchte Dix die Düsseldorfer Kunstakademie und arbeitete in einem Meisterschüleratelier der Klasse von Heinrich Nauen. In seinem 50 –teiligen Radierzyklus "Der Krieg" verarbeitete der Künstler seine Erlebnisse des 1. Weltkrieges und rechnete mit der grausamen Kriegmaschinerie gezielt ab. 1913 entstanden zudem zahlreiche Hauptwerke der Farblithografie. Des Weiteren entwickelte sich Otto Dix in Düsseldorf zu dem Porträtisten mit dem gefürchteten "bösen Blick", der das Wesen seiner Modelle unter Negierung jedweder gängigen Normierung schonungslos in Szene setzte.  All dies kann man  sich anhand der Abbildungen  genau ansehen.

Das Buch enthält  u. a. einige aufschlussreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die das Leben und Werk des Künstlers #Otto_Dix erhellen. So erfährt man u.a. Wissenswertes über seine Aquarelle und über den Radierzyklus "Der Krieg", der das grafische Hauptwerk Otto Dix` seiner Düsseldorfer Jahre verkörpert. "Der Krieg"  ist als ein Jacques Callots "Les misères de la guerre" (1633) sowie Francisco de Goyas "Los desastres de la Guerra" (um 1810-15) ebenbürtiges Werk in der Kunstgeschichte anerkannt. 

Zu allen Werke der Ausstellung  erhält man Eckdaten und kann sich  zudem in die biographische Daten des Künstlers vertiefen. 

Ein gelungenes Buch zu einer Ausstellung, die man nicht versäumen sollte 

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Rezension: Magritte- Der Verrat der Bilder- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung  "Magritte-  Der Verrat der Bilder", die vom 10. Februar bis zum 5. Juni 2017 in der Schirn in Frankfurt am Main gezeigt wird.

Das Buch enthält mehr als 100 Abbildungen von Werken dieses belgischen Malers und zahlreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die durch ihre Texte Magritte und sein Schaffen dem Leser und Betrachter näher bringen.

Magritte ist eine der Schlüsselfiguren der Malerei des 20. Jahrhunderts. Er begriff sich nicht als Künstler, sondern als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt. Auf diese Weise werden seine surrealen Bildkonstruktionen auf eine einzigartige Weise zu einem Instrument der poetischen Erkenntnis.  Wichtige, immer wiederkehrende  Motive sind Feuer, Schatten, Vorhänge, Wörter und der fragmentierte Körper.

Die Ausstellung zielt darauf ab, das Werk des belgischen Surrealisten in seinem Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abzubilden. Magritte wollte stets der Malerei eine den Worten gleichrangige Bedeutung geben. Sein Dialog mit der Philosophie dokumentiert Magrittes ständige Beschäftigung mit Fragen zu Ähnlichkeit und Realismus.

In der Ausstellung werden Magrittes zentrale Bildformeln fokussiert, die sich mit der Mythologie der Erfindung und auch mit der Definition der Malerei befassen.

Didier Ottinger stellt in seinem Essay den Maler als Philosophen vor. Es folgen ein Vortrag von René Magritte aus dem Jahre 1938 und sehr beeindruckende Werksabbildungen, deren intellektueller Inhalt sich nicht problemlos interpretieren lässt.

Man erfährt mehr über das 1929 von Magritte gemalte Werk "Der Verrat der Bilder" und beginnt sich dann im Rahmen der höchst komplexen Essays die Gedankentiefe dieses Malers bewusst zu machen. Die verrätselten Bilder letztlich lassen sich erst durch die Texte wirklich verstehen. Die Texte für die Rezension zusammenzufassen, ist allerdings unmöglich, weil der Inhalt viel zu dicht und breit angelegt ist. 

Wer die Bilder nicht enträtseln möchte,  dem bleibt das Staunen und Bewundern.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: The Namib Desert- Art. Strukturs. Colors-Jürgen Wettke- teNeues

Dieser beeindruckende Bildband enthält Werke des Fotografen Jürgen Wettke. Für ihn ist der Blickwinkel und die Nutzung des Lichts von größerer Bedeutung als die Technik. Der leidenschaftliche Fotograf legte seinen Fokus in den letzten Jahren vermehrt auf Landschaftsfotografie. Dabei ist es sein Anliegen, beim Betrachter Emotionen zu wecken und auf diese Weise ein intensiveres Bewusstsein für die Fragilität  der Ökosysteme unseres Planeten zu schaffen. 

Die Wüste Namibia, die Bildgegenstand dieses Werkes ist, verändert sich durch die Naturgewalten ständig. Von daher zeichnen sich die gezeigten Bilder nicht nur durch ihre Ästhetik aus, sondern auch dadurch, dass es sich um echte Unikate handelt. 

Wer wissen möchte, welche Motive er im Einzelnen gerade bestaunt, kann sich im Index zu  Ende Werkes kundig machen. Dort nämlich erfährt man zu jedem Bild in englischer und deutscher Sprache Wissenswertes. 

Das Vorwort zum Buch hat der renommierte Naturfotograf Michael Poliza verfasst, dessen Anliegen in seinen Bildbänden und seinen Naturerlebnisreisen darin besteht, seine Erfahrungen und seine Begeisterung für die schönsten Landschaften der Welt mit anderen zu teilen. Er  kann professionell beurteilen, dass Jürgen Wettke behutsam mit feinem Gespür für Formen und Farben "wunderbare Kunst der Natur" präsentiert, die die Wüsten Nambias bieten. Poliza weiß, dass Wettkes Fotografien uns über die Mysterien und schiere Schönheit der Natur staunen lassen und uns vor Augen führen, was an unserem Planeten schützenswert ist. 

Jürgen Wettke erwähnt, dass die Namib die älteste Wüste auf unserer Erde und zugleich die einzige Küstenwüste ist. Sie wurde 2013 als Weltkulturerbe eingestuft. Der Sand dieser Wüste soll 1 Million Jahre alt sein. Dennoch unterliegt die Wüstenlandschaft permanenter Veränderung. 

Jeder Fotograf, der den Fokus auf Strukturen und Farben richtet, wird in dieser Wüste sehr viel entdecken, so etwa ein Farbspektrum von Hellgrau der Granitstrukturen, auch irreal wirkende Rottöne u.a.m., verrät und dokumentiert Wettke eindrucksvoll.

Die Aufnahmen sind in fünf Kapitel untergliedert. Hier wird man mit imposanten Fotos vertraut gemacht, die uns voller Poesie in eine Welt einladen, die uns Zeitlosigkeit spüren lässt. Alles, was wir sehen, lädt zum Staunen ein, veranschaulicht Erhabenheit, Ästhetik aber auch Ewigkeit und lässt uns erahnen, dass wir in dieser Welt von untergeordneter Bedeutung sind. 

An solchen Orten finden Weisheitslehrer den Sinn des Lebens, weil sie hier das Geheimnis allen Seins lüften können, wenn sie das, was ist, lange genug beobachten. 

Atemberaubend schöne, aussagekräftige Bilder verkünden den Wandel als die ewige Wahrheit bis ans Ende aller Tage. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Jürgen Wettke 
Artikelnummer: 76914-deu
ISBN: 978-3-8327-6914-7
Ausführung: 34 x 26 cm
208 Seiten,
140 Farbfotografien
Hardcover
Text: Deutsch und Englisch

Rezension: Geschlechterkampf- Franz von Stuck bis Frida Kahlo- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Geschlechterkampf- Franz Stuck bis Frida Kahlo", die vom 24.11.2016 - 19.03.2017 im Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Kurator der Präsentation ist Dr. Felix Krämer. 

Diese Sonderausstellung befasst sich  mit einem zeitlosen Thema: der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst. "Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo" fokussiert die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. 

Anhand von über 140 Werken veranschaulicht die Ausstellung, wie kontrovers Künstlerinnen und Künstler der Moderne auf die Konstruktion von Geschlechtermodellen reagierten und wie sie mit Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film umgingen. 

Das Vorwort zum Buch hat der Direktor des Städel Museums Philipp Demandt verfasst. Diesem Vorwort folgt ein Gespräch der Kuratoren Felicity Korn und Felix Krämer mit Rose-Maria Gropp. Der Gesprächsgegenstand ist der "Geschlechterkampf, eine Annäherung". Hier definiert Korn, dass Geschlechterkampf die Begegnung zwischen Geschlechtern bedeute, die oftmals spannungsgeladen seien und zu einem Konflikt führen können. Zugleich verstehen die Kuratoren unter dem Überbegriff das Verhandeln von Rollenbildern, Stereotypen und Idealvorstellungen als auch das Sich-Positionieren zum jeweiligen Gegenüber. 

Anhand von umfangreichen Textbeiträgen unterschiedlicher Autoren und Bildern vieler namhafter Künstler erhält man einen umfassenden Eindruck von der Ausstellung. So liest man in einem Essay von Ute Frevert Wissenswertes zu Männerängsten und Frauenwünschen im Rahmen der Geschlechterkämpfe zwischen 1850- 1950, so auch, dass Frauen wie Gräfin von Reventlow oder auch die promovierte Schriftstellerin Helene Stöcker Außenseiterinnen waren, die von der herrschenden Meinung verfemt und skandalisiert wurden. Gleichwohl haben diese beiden Damen in den Anfängen des letzten Jahrhunderts viel getan, indem sie durch ihre publizistischen Tätigkeiten breite Schichten erreichten. 

Damals löste die Figur der unabhängigen Frau, die ihre sexuelle Freiheit rückhaltlos einklagte, massive Ängste aus. Frauen im Beruf irritierten. Ein Plakat des Schweizer Malers Ferdinand Hodler, das er zu Ende des 19. Jahrhunderts entwarf, zeigte ein vollständig bekleidete Frau mit wallendem roten Haar, die im Bündnis mit der Welt der Technik über dem auf dem Boden liegenden fast nackten Mann triumphiert. Das war die Horrorvorstellung der Männer der damaligen Zeit. 

Unmöglich im Rahmen der Rezension auf all die Essays einzugehen. Wichtig ist es wohl, sich mit dem biblischen Schöpfungsmythos zu befassen, der ungeachtet der wissenschaftlichen Umwälzungen auf künstlerische Inszenierungen bis in 20 Jahrhundert Bezug nahm. Gezeigt werden hier eine Plastik von August Rodin und die Gemälde "Adam und Eva" sowie "Das verlorene Paradies" von Franz von Stuck, auch Werke von Max Klinger und Bilder anderer Künstler, bevor man sich mit "Salome und ihre Schwestern in der Kunst des späten 19. Jahrhunderts " auseinandersetzen kann. Auch hier wieder wird die Bilderpräsentation von einem Essay begleitet. Besonders beeindruckend erscheint das Gemälde "Salome" von Jean Benner aufgrund seiner Entgültigkeit. 

Werke von Franz von Stuck gibt es nicht wenige in der Ausstellung. Sie visualisieren das Thema der Präsentation besonders eindrucksvoll, so etwa die "Verwundeten Amazone".  

Die Idee der "femme fatale" um 19 00 wird beleuchtet. Hier auch ist das Titelbild des Buches zu sehen. Es handelt sich um "Sie" von Gustav Adolf Mossa. 

Man ist während der Lektüre immer wieder erstaunt, wie intensiv man sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Auch Gemälde von Max Liebermann werden gezeigt und das Frauenbild in Werken von Edvard Munchs kommt zur Sprache. 

Eine Fülle von  textlichen Betrachtungen lässt den Kunstinteressierten nahezu verwirrt zurück und der ein oder der andere atmet gewiss beruhigt durch, wenn er liest, dass mit der Erforschung des Androgyns, sich der Surrealismus wie keine andere Avantgarde-Bewegung der sozialen und politischen Aufhebung des Geschlechterkampfs gewidmet hat. 

Lange verweilt der Blick auf Frieda Kahlos "Der kleine Hirsch" und es wird klar, was aus dem Platzhirsch geworden ist,  seit seinem Kampf mit der Amazone auf Stucks Bild.

Bleibt noch eine Info des Städel-Museeums anzufügen "Die Ausstellung baut auf dem Sammlungsbestand des Städel Museums auf, der mit Gemälden von Max Liebermann, Edvard Munch und Franz von Stuck, Skulpturen von Auguste Rodin sowie Fotografien von Frank Eugene oder Claude Cahun wichtige Positionen in Bezug auf diese Thematik umfasst. Anhand von bedeuten-den Leihgaben werden bekannten Namen der Kunstgeschichte wie Hannah Höch, Édouard Manet, Gustav Klimt, Otto Dix oder Frida Kahlo gezielt kunsthistorische Entdeckungen zur Seite gestellt, die den Kanon um aussagekräftige Positionen erweitern, darunter Arbeiten von Leonor Fini, John Collier oder Gustav Adolf Mossa. Vor dem Hintergrund der intensiv geführten Diskussionen um die Rollen von Frau und Mann bietet das Ausstellungsprojekt einen differenzierten Einblick in die Komplexität der Problematik und beleuchtet die kunsthistorische Dimension eines bis heute hochrelevanten gesellschaftspolitischen Themas."

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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