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Rezension: MX7- Mapplethorpe X7

Dieser Fotobildband enthält eine Fülle von Bildern, die der 1998 verstorbene Starfotograf Robert Mapplethorpe realisiert hat.   Ausgewählt wurden diese zumeist  Schwarz-Weiß-Fotos aus  dem Nachlass des Fotografen von  den Künstlern , David Hockney, Vik Muniz, Cathrine Opie, Sterling Ruby, Cindy Sherman, Hedi Slimane und Robert Wilson und zwar über einen Zeitraum von 7 Jahren. Über diese Künstler erfährt man zu Ende des Buches in englischer Sprache in knapper Form Wissenswertes.

Richard Flood, Kurator des New Museum  of Contemporay Art in  New York hat mit allen genannten Künstlern Interviews gemacht, die dem Leser nicht nur die Gedanken der Interviewpartner  im Hinblick auf Mappelthorpe und dessen  vielschichtiges Werk näher bringen.

Jeder der Künstler stellt seine Auswahl seperat vor. David Hockney beispielweise hat  u.a. eine  Reihe sehr schöner Porträtaufnahmen  bekannter Persönlichkeiten ausgewählt.  Er selbst wurde auch mehrfach von Mappelthorpe abgelichtet und zwar  schon 1976, zu einem Zeitpunkt, als er 39 Jahre alt war, allerdings weitaus jünger aussah. Den sehr  schönen Fotos von Marianne Faithfull aus dem Jahre 1974 und einer  bekannten  Profilaufnahme,  die Katherine Cebrian zeigt, folgt ein Bild von Arnold Schwarzenegger aus dem Jahre 1976, das den Bodybuilder mit phänomenal angespannten Oberarmen zeigt. Das Foto von Lord Snowdon  aus dem Jahre 1979 finde ich beeindruckend, eine wirklich ästhetische Erscheinung. Viele der abgelichteten Personen aus den 1970er Jahren sind mir nicht bekannt, dennoch interessieren mich die Bilder und zwar von der Art her wie Mappelthorpe sie aufgenommen hat. Die Portraitfotosstrahlen teilweise viel Ruhe aus und der Blick des Betrachters verweilt auf den Augen der Modelle.

Richard Gere aus dem Jahre 1981  ist eine Augenweide, ein bildschöner Mann, mit einem Körper  wie von der Hand Michelangelos geschaffen. Aus den 1980ern stammen auch die ersten erigierten Penisbilder im Buch. Allen Bilder dieser Art ist gemeinsam, dass die Penise gewaltige Ausmaße haben. Das Foto "Cock, 1986" finde ich  vom künstlerischen Standpunkt  sehr gut gelungen. Aus der geöffneten Smokinghose und dem  weißen Hemd ragt ein männliches Glied in seiner ganzen Pracht heraus. Obschon es errigiert ist, wirkt es beinahe orientierungslos, fast so, als habe sich das Objekt seiner Begierde in Luft aufgelöst.

Es folgen weitere Porträtaufnahmen, auch ein hübsches Foto von einem  kleinen süßen, etwas  ängstlichen Mädchen und einem ebenso süßen, ängstlichen Kätzchen. Solche Bilder stehen im Widerspruch zu den Aufnahmen der Erwachsenen auf den Folgeseiten, deren  Widerwärtigkeit sich in dem Titelfoto, das William Burroughs mit Knarre zeigt,  am  augenscheinlichsten offenbart.

Immer wieder  kann man sich in Penisbilder vertiefen. Interessant finde ich, dass einige Bilder noch nicht einmal den Namen der abgelichteten Person  offenbaren, sondern nur "Cock" plus Jahreszahl  genannt werden.

Wunderschön sind die farbigen Blumenbilder auf Seite 102 und 106  sowie das abgelichtete Blatt auf Seite 103, auch die Kinderbilder  auf Seite 108 und 109. Solche Bilder  begeistern mich mehr als  die Fotos aus der Schwulenszene, mit denen ich einfach nichts anfangen kann. Mappelthorpe scheint sich  im Laufe der Jahre immer stärker in dieser Szene aufgehalten zu haben. Die Phallusanbeterei ab Seite 119  geht mir auf  die Nerven, ebenso die sich küssenden Männer in Lederklamotten.

Cindy Sherman  hat eine Reihe sehr aparter Fotos ausgesucht, darunter auch ein sehr ausdrucksstarkes Foto von Grace Jones aus dem Jahre 1988  und sehr schöne farbige Blumenbilder.
Viele Bilder des Künstlers zeigen über welches Können er verfügte. Mich stößt allerdings dieser überzogene Phallusankult ab. Man fühlt sich von den vielen erigierten überdimensionalen Penisen im Buch geradezu belästigt. Ich kann in der Aufnahme bei der zwei wie Penise wirkende Unterarme, konkret die dazu gehörenden Männerfäuste, ihr Werk in einem behaarten männlichen Gesäß vollbringen keinen künstlerisch nennenswerten Aspekt erkennen. Weshalb muss ich mir das ansehen? Ästhetisch ist es nicht.
Ich finde, bei allem Respekt vor dem Oevre des Künstlers, sollte man Fotos,  auf denen Kinder und Blumen gezeigt werden, in einem Buch nicht mit  pornografischen Bildern mixen.  Nach meinem Selbstverständnis heraus besteht ein Mann nicht nur aus seinem Geschlechtsorgan, aber vielleicht irre  ich mich ja auch in diesem Punkt.


Da die Fotos sehr gut sind, aber da die  die Kombination  von  Bildern mit Kindern und solchen von Männern  mit offener Hose  bedenklich finde, kann ich das Buch  nur mit drei Sternen bewerten.


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